Alles hat seine Zeit
Die Kunst des Reifenlassens
Heute Morgen bin ich wieder durch unseren Garten geschlendert.
So wie jeden Morgen, machte ich barfuß mit Carlos eine Morgenrunde.
Das feuchte, kühle Gras unter den Füßen zu spüren ist herrlich belebend.
Die Rispenhortensie trägt ihre gewaltigen Blüten voller Stolz.
Die ersten Äpfel beginnen langsam Farbe anzunehmen und zwischen den Zweigen entdecke ich immer wieder Früchte, die noch Zeit brauchen.
Dabei musste ich schmunzeln.
Wie oft wünschen wir Menschen uns, dass manches schneller geht.
Eine Entscheidung soll endlich fallen. Ein Problem soll sich möglichst rasch lösen.
Ein Traum am besten schon morgen Wirklichkeit werden.
Die Natur kennt diesen Stress nicht.
Kein Apfel fragt, warum der andere schon reif ist.
Keine Hortensie vergleicht ihre Blüten mit denen der Nachbarpflanze.
Alles wächst in seinem eigenen Tempo. In seiner eigenen Form, Farbe Duft….
Vielleicht liegt genau darin eines der größten Geheimnisse der Natur. Sie vertraut.
Und genau das fällt uns Menschen oft schwer.
Ich muss gestehen: Geduld war nie meine große Stärke.
Vieles wollte ich am liebsten sofort erledigen oder gelöst haben, am Besten schon gestern.
Erst mit den Jahren lerne ich langsam, dass sich manche Dinge weder beschleunigen noch erzwingen lassen.
Ich werde darin ein klein wenig besser 😊
Aber Geduld bleibt für mich eine Lebensaufgabe.
Vielleicht grade deshalb schätze ich unseren Garten so sehr.
Er erinnert mich jeden Tag daran, dass das Wertvollste Zeit braucht.
Tiefe Freundschaften. Vertrauen. Heilung. Liebe. Und manchmal auch der Mut, eine neue Richtung einzuschlagen.
Kein Mensch würde auf die Idee kommen, an einem Apfel zu ziehen, damit er schneller reif wird.
Warum tun wir genau das so oft mit unserem eigenen Leben?
Vielleicht dürfen wir heute einfach einmal tief durchatmen und dem Leben wieder ein wenig mehr vertrauen.
Denn alles hat seine Zeit.
Und manches wird gerade deshalb so besonders, weil wir geduldig darauf gewartet haben.

Herzlichst
Rita & Rupert
















