Was haben wir in dieser modernen Welt verlernt?
Eine bequeme Welt –was haben wir dabei verlernt ?
Noch nie war unser Leben in so vielen Bereichen so einfach und bequem wie heute.
Wir können Essen bestellen, ohne das Haus zu verlassen.
Wir lernen Menschen kennen, ohne ihnen jemals persönlich gegenüberzustehen.
Wir können uns rund um die Uhr beschäftigen, berieseln und ablenken, ohne auch nur eine Minute wirklich still mit uns selbst sein zu müssen.
Alles ist verfügbar. Möglichst sofort. Möglichst einfach. Möglichst ohne Umwege.
Und ich frage mich manchmal:
Was macht diese Bequemlichkeit eigentlich mit uns?
In den vergangenen zwei Jahrzehnten schienen viele Grundprinzipien, mit denen meine Generation noch ganz selbstverständlich aufgewachsen ist, zunehmend „uncool“ zu werden:
Wertschätzung.
Achtung vor Mensch, Tier und Natur.
Rücksichtnahme.
Anstand.
Geduld.
Verlässlichkeit.
Eigenverantwortung.
Dankbarkeit.
Vielleicht stehen wir heute auch deshalb gesellschaftlich dort, wo wir stehen.
Denn wer alles jederzeit und sofort haben kann, muss kaum noch warten.
Und wer nicht warten muss, hat weniger Gelegenheit, Geduld zu lernen.
Wer jedem Widerstand ausweicht, lernt schwer, mit Niederlagen umzugehen.
Wer Unbequemes sofort beseitigen kann, erfährt nicht, dass man an Herausforderungen wachsen kann.
Dabei gehört genau das zum Leben.
Ein Nein gehört zum Leben.
Eine Enttäuschung gehört zum Leben.
Ein arbeitsreicher Tag gehört zum Leben.
Ein Streit gehört manchmal zum Leben.
Auch ein leeres Konto, eine falsche Entscheidung, ein Rückschlag oder ein unerfüllter Wunsch können zum Leben gehören.
Nicht alles lässt sich wegwischen, wegklicken oder sofort lösen.
Ich habe in meinem Leben viele Menschen kennengelernt, die etwas aufgebaut, verändert oder erreicht haben.
Und kaum einer von ihnen hatte einen schnurgeraden, bequemen Weg hinter sich.
Oft waren es gerade die schwierigen Zeiten, die sie geprägt haben.
Stärke entsteht nicht dadurch, dass uns jeder Stein aus dem Weg geräumt wird.
Sie entsteht, wenn wir lernen, darüberzusteigen.
Wenn wir hinfallen und wieder aufstehen.
Wenn wir warten müssen.
Wenn etwas nicht funktioniert.
Wenn wir Verantwortung übernehmen – auch dann, wenn es unangenehm wird.
Und vielleicht liegt genau hier eines unserer heutigen Probleme:
Wir reden sehr viel darüber, was andere falsch machen. Die Politik. Die Gesellschaft. Der Nachbar. Der Arbeitgeber.
Die Familie. „Die da oben“. Oder einfach ganz prinzipiell „die Anderen“.
Aber wie oft fragen wir uns:
Was kann ICH beitragen?
Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um?
Wie behandle ich Tiere?
Wie gehe ich mit unserer Natur und unseren Ressourcen um?
Kann ich eine andere Meinung stehen lassen, ohne den Menschen dahinter abzuwerten?
Nehme ich Rücksicht – auch wenn es für mich gerade unbequem ist?
Halte ich mein Wort?
Und ganz wesentlich: Übernehme ich Verantwortung für meine Entscheidungen und mein eigenes Leben?
Vielleicht müssen wir gar nicht immer nach den großen Lösungen für unsere ver-rückte Welt suchen.
Vielleicht dürfen wir wieder bei den scheinbar kleinen Dingen beginnen.
Bei Wertschätzung. Achtung. Rücksicht. Verantwortung. Dankbarkeit.
Bei einem respektvollen Wort. Einer helfenden Hand. Einem ehrlichen Danke. Dem sorgsamen Umgang mit einem Tier.
Der Achtung vor der Natur. Achtung und Wertschätzung vor den Lebensmitteln, die ich genießen darf.
Und auch bei der Bereitschaft, nicht immer den bequemsten Weg zu wählen.
Diese Werte sind nicht altmodisch.
Sie waren nie uncool.
Vielleicht sind sie heute wichtiger denn je.

Herzlichst
Rita & Rupert
















